Rezension

Zeitkurier – Wesley Chu

gefällt das.
Werbung | Rezensionsexemplar
 Zeitkurier| Einzelband | Wesley Chu |Seitenzahl 496| Heyne Verlag | erschienen am 14. August 2017 |Ebook: 11,99 €, Print: 14,99 € | Ansehen: auf Amazon, beim Verlag

Eine super interessante Idee, deren Umsetzung mich leider nicht vollends überzeugen konnte.

»Inhalt«

In einer zerstörten Zukunft liegt die letzte Hoffnung in der Vergangenheit

Die Erde hat sich in der Zukunft in ein verseuchtes Ödland verwandelt, und die Menschheit musste ins äußere Sonnensystem ausweichen. Dort, in den Weiten des Alls, sind Ressourcen allerdings ein seltener Luxus, und so bedient sich die menschliche Zivilisation der Zeitreise als letztes Mittel. Sogenannte Zeitkuriere reisen in die Vergangenheit, um dort nach Ressourcen und Antworten zu suchen. Bei seinem letzten Auftrag macht der Zeitkurier James Griffin-Mars jedoch den größten Fehler: Er greift in die Zeitlinie ein – und rettet eine Frau. Jetzt bleibt ihnen nur noch die Flucht in die Gegenwart …

Quelle: Heyne Verlag

»Rezension«

Ich war nach dem Klappentext wahnsinnig gespannt auf den Inhalt des Buches. Klar, ist die Grundidee, dass wir Menschen unsere Erde so weit zerstört haben, dass wir andere Technologie benötigen jetzt nicht die neuste Erfindung und dennoch fand ich gerade die Verknüpfung mit der Zeitreise wahnsinnig spannend. Immerhin kann diese dazu genutzt werden, um wichtige Mittel und Rohstoffe zu beschaffen oder kann ganze Katastrophen verhindern.
Auf der anderen Seite haben diese Zeitreisen natürlich auch Nebenwirkungen. Je mehr das Buch voranschreitet, desto mehr merken wir als Leser eigentlich wie die Halluzinationen einer unserer Protagonisten James immer mehr mit der Realität verschwimmen.
Eine absolut skurrile und auch interessante Vorstellung wie ich finde. Neben James, der mir durch seinen Zynismus und seine Sichtweisen und Einblicke wirklich gut gefallen hat, lernen wir auch weitere Figuren kennen, die in diesem Buch einen eigenen Erzählstrang bekommen. So gewinnt man als Leser wirklich einen guten Einblick in die Geschichte und ich muss allerdings sagen, dass mich die Figurenausarbeitung nicht wirklich packen konnte. So gut mir James gefallen hat, so wenig greifbar erschienen mir manch andere Figuren in diesem Buch. Für mich fehlte da die Empathie, das Gefühl zu verstehen, denn auch die Liebesgeschichte ist für meinen Geschmack etwas zu sehr dahin geschrieben und hätte man gut und gerne auch weglassen können. Das ist das erste Mal, das ich sagen würde: Die Geschichte hätte wirklich darauf verzichten können. Ich habe in lebensgefährlichen Situationen mit mehr Emotionen gerechnet und gefühlt nur einen kurzen Händedruck und ein Welcome back bekommen… was für mich jetzt nicht DIE Liebe zwischen zwei Figuren ausdrücken würde, aber naja. Vielleicht habe ich auch nur eine romantisierte Vorstellung davon oder bin durch meine vorherigen Bücher einfach zu verwöhnt gewesen.

Was mir dann wiederum wirklich gut gefallen hat, war der gesellschaftliche Aufbau und vor allem das World Building. Die Art von Zeitreisen sind neu, innovativ und keineswegs ungefährlich. Die Macht liegt in der Hand einiger weniger und wem kannst du wirklich noch in einer solchen Zeit vertrauen? Fragen über Fragen, die mich wirklich haben weiter lesen lassen, denn die Idee und die Welt haben mir wahnsinnig gut gefallen. Jedes positive Detail kann auch sofort in etwas negatives gewandelt werden. Nichts ist nur schwarz oder weiß, sondern es gibt noch so viele unentdeckte Bereiche dazwischen.
Vor allem hier empfand ich die düstere und bedrohliche Atmosphäre als wirklich gelungen. In solchen Momenten kam wirklich Spannung auf und ich hatte das Gefühl, selber ein Zeitreisender zu sein.

Leider gab es neben der Figurenkonstellation auch noch das Problem mit den Längen im Buch. Ich habe bereits in anderen Rezensionen gelesen, dass es nicht nur mir so ging, was mich schon mal beruhigt, denn gerade der Anfang gestaltete sich für mich ein wenig wie Schwimmen in einem Wirlpool. Ich wollte vorankommen und kam irgendwie doch nicht von der Stelle. Manche Spannungsbögen waren so klasse aufgebaut und wurden dann aber mit einem einzigen Cut komplett zur Nichte gemacht, was mich irgendwie teilweise auch wirklich frustrierte, denn dadurch blieben trotz den mega genialen World Buildings und James (:D) das Kopfkino teilweise ganz aus. Es war mehr ein Stummfilm in zu langsam abgespielt und das fand ich sehr schade. Auch durch die vielen Beschreibungen und Details ging manchmal leider nicht nur die Spannung, sondern auch der Erzählstrang etwas unter, wobei ich an diesen Stellen dann wiederum Kopfkino hatte.
Man konnte in diesem Buch also so gesehen nicht alles haben.

Das Ende wiederum konnte mich zufrieden stimmen. Auf den letzten Metern hatte ich das Gefühl, wieder an Fahrt aufzunehmen und das konnte mich dann letzten Endes wirklich packen.

Fazit: Nichts desto trotz überwiegen hier leider die Aspekte der Längen und Figuren, die ich bis zum Ende nicht wirklich greifen konnte. Ich hatte immer das Gefühl, die Figuren mit einer gewissen Distanz zu betrachten und wenn man so etwas mag, viele Details und Beschreibungen lesen möchte, die durchaus angemessen sind, keine Frage, dann sollte man sich dieses Buch ein Mal genauer angucken.
Für mich als Leserin ist aber gerade diese Greifbarkeit und die richtige Mischung das, was für mich auch ein gutes Sci-Fi Buch ausmacht, weshalb ich diesem Buch 3 von 5 Sternen gebe.
Eine solide Geschichte, mit tollem World Building, aber mit deutlich Luft nach oben.
Dennoch vielleicht für den Einen oder Anderen etwas.

©
Fotos: Fuchsias Weltenecho
Cover: Heyne Verlag
Sterne: Photoshop

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