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Warum man manchmal die Bremse ziehen muss

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Es gibt diese Momente im Leben, wenn man anfängt alles zu hinterfragen. Man sieht die Zahlen auf Instagram stagnieren und weiß, dass man das alles nur des Spaßes wegen machen sollte, so wie alle das Einem immer erzählen. Man sollte sich auch nicht um die Reichweite auf Facebook kümmern oder darum, was andere vielleicht besser oder sauberer können, es solle ja nur um einen selber gehen.

Und dann gibt es da noch den wundervollen Alltag. Menschen um einen herum mit ganz eigenen Problemen und Lastern, über die sie gerne reden möchten (oder auch nicht). Man schleppt sein eigenes Paket, möchte für andere da sein und hat auch noch den Blog, Instagram, Bücher und dann auch noch die Arbeit, Studium oder Ausbildung.

Irgendwann kommen wir alle ein Mal an den Punkt, an dem wir merken wie dünnhäutig wir geworden sind. Wie wir alles hinterfragen oder auf die Goldwaage legen. Sogar bei Dingen, die uns vorher Spaß gemacht haben.
Dies ist einer der Gründe, wieso es die letzten Wochen so still war.
Ich habe die Handbremse gezogen und gemerkt, dass das so nicht mehr funktioniert.
Denn ich war nie der Typ, der so sehr auf Follower geachtet und das gemacht hat, woran er Spaß hat: Am Lesen, am kreativ sein und am Designen selber.
Doch irgendwo zwischen Alltags- und Ausnahmezustand ist genau diese Leidenschaft abhanden gekommen.

Ich saß an der Bachelorarbeit, habe Bücher über Bücher gelesen (meinen Soll Wert von 50 Büchern dieses Jahr hätte ich jetzt schon Mal erfüllt – immer das Positive sehen) und das private Lesen hinten angestellt. Ich war müde von allem.
Von den Problemen anderer Menschen, von der Bachelorarbeit, von dem nicht lesen können und irgendwie viel zu wenig Zeit für alles haben.
Ich war müde davon, dass ich Bilder posten “musste”, damit auch ja die Reichweite nicht sank.
Tag ein Tag aus der gleiche Trott und ich merkte gar nicht, wie mich dieser Strudel mit sich in die Tiefe riss.
Ich wurde weniger belastbar, bin anderen auf die Füße getreten, weil ich es eben nicht besser wusste und mich selbst in all dem verloren.

Ich merkte gar nicht, wie ich all das nur tat, weil es Routine geworden war. Ich konnte abends immer sagen wie viele Follower auf Instagram wieder verschwunden waren und sah meine Community und die ganzen tollen Menschen gar nicht mehr.
Habe vergessen, wieso ich das alles mache, weil ich irgendwo hin muss mit meiner Kreativität und genau das konnte ich die letzten Wochen nicht, die Bachelorarbeit, Lernen, irgendwas war immer.

Ich habe mich unter all dem Trubel vergessen. Verloren in einer Welt der Schnelllebigkeit.

Sie alle redeten immer: Du musst auch an dich denken, du machst das alles nur aus Spaß, Zahlen sollten dir egal sein, oder: Du musst nicht immer für alle da sein.

Und dann fiel der Satz, der mir irgendwie die Augen öffnete: Du hast eine so aktive Community, was möchtest du mehr? Du bist derzeit nur durch das Posten von Fotos aktiv und trotzdem sind sie da.
Aber auch: Fire and Frost – die Bloggeraktion. Auf ein Mal hatte ich wieder einen richtigen Grund, meiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Die richtige Aktion, zur richtigen Zeit.

Das war der Moment, in dem sich bei der Knoten löste, in dem ich anfing, ein Problem nach dem Anderen zu lösen, angefangen bei Instagram und Facebook.
Ich setzte mich auf Entzug und begann endlich wieder zu basteln. Habe wieder gefallen an den Fotos gefunden und gemerkt, dass meine Kreativität einfach irgendwo hin musste.

Ich habe angefangen, nicht immer jedes Problem anzuhören und auch mal zu sagen, dass ich das jetzt nicht hören möchte, weil ich derzeit mal auf mich achten muss.
Man kann nicht immer für alle da sein, auch diese Reserven sind endlich. Man kann nicht immer versuchen, jedes Problem anzuhören, manchmal muss man gewisse Dinge auch alleine durchleben, manchmal muss man auch der besten Freundin ein Mal absagen.
Und das ist okay. Man muss kein schlechtes Gewissen haben, weil man nicht jedes kleinste Problem anhört und zerkaut, manchmal hilft es einfach, sich nicht hineinzusteigern, sondern nur über die Entscheidung zu reden.

Ich habe angefangen, die aufgebaute Routine zu durchbrechen, habe wieder angefangen, private Bücher zu lesen und wisst ihr was? Gebt so was nicht auf.
Verzichtet auf nichts, woran ihr wirklich richtig Spaß habt, was einen Ausgleich darstellt, oder gar einen Anker für Entspannung.
Ich habe nur angefangen zu lesen und mir ist eine Last von den Schultern gefallen, von der ich gar nicht wusste, dass sie da war. Ich habe verdrängt, dass man auch sich selbst neben all der Arbeit und den Problemen nicht vergessen darf.

Es ist okay, die Handbremse zu ziehen und Social Media ein Mal Social Media sein zu lassen. Es ist okay, nicht immer direkt auf die Nachrichten anderer Leute zu antworten und ihre Probleme zu besprechen und es ist vollkommen okay, auch einfach mal eine Pause mit einem guten Buch, einer Serie oder ähnlichem zu machen.

Manchmal ist dies der beste Weg. Manchmal ist es der falsche. Niemand sagt einem, was richtig oder falsch ist, doch wir können nur auf unser Herz hören, auf unseren Verstand und wenn wir auf die kleinen Anzeichen achten, muss es gar nicht erst so weit kommen.

Lasst uns mal anfangen, auch ein wenig mehr auf uns selber zu achten.
Lasst uns anfangen, Social Media auch ein Mal links liegen zu lassen und die Probleme anderer auf morgen verschieben.
Lasst uns anfangen, auch mal uns selber zu schätzen und uns etwas Gutes zu tun. Selbst wenn es nur baden und lesen ist.
Es sind die kleinen Dinge im Leben, die für diese Entschleunigung sorgen, die wir in Zeiten der ewigen Erreichbarkeit und Schnelllebigkeit einfach gebrauchen können.

Bilder:  eigenes Foto

6 Kommentare

  1. Lara

    19. Februar 2018 at 7:03 pm

    Das kenne ich selbst nur zu gut. Gerade in der Weihnachtszeit war ich total abwesend, weil meine Arbeit mich komplett eingenommen hat. Gerade, wenn es um so etwas wichtiges geht, sollte man Social Media auch einfach mal alleine lassen und sich auf die wichtigeren Dinge im Leben konzentrieren :)
    Liebst, Lara von Fairylightbooks :)

  2. Federmaedchen

    20. Februar 2018 at 6:51 am

    Liebe Anna,
    ich kann dich sehr gut verstehen. Ich habe letztes Jahr um diese Zeit mit Instagram und meinem Blog angefangen und schon bald war der "Druck" da, jeden Tag ein Bild zu posten oder jede Woche Blogposts zu verfassen. Wenn dann auch noch, wie bei dir, private wichtige Dinge mit hineinspielen, dann ist man sehr schnell an seinen Grenzen angelangt. Ich glaube, es ist gerade heutzutage in einer Welt, in der es in erster Linie um Leistung und Erfolg geht (leider) wichtig, sich selbst darüber nicht zu vergessen und eben auch mal die Handbremse zu ziehen! Gerade dadurch kann man sich selbst erst wieder neu ordnen und gewinnt einen anderen Blick auf die Dinge, die einem wichtig sind.

    Und ganz ehrlich, dann ist es halt mal ruhige bei Instagram, Facebook oder auf dem Blog, dann kommt halt nicht jeden Tag ein Bild, sondern nur jeden zweiten dritten oder vierten – oder eben auch mal gar nicht! :)
    Es freut mich sehr, dass dir die Bloggeraktion die Möglichkeit gegeben hat, dich wieder etwas mehr zu finden und dass du durch das Lesen von Büchern, die keine Pflichtlektüre darstellen, wieder entspannter sein kannst!!

    Hui.. das ist ausgeartet, aber es musste raus :)
    Liebste Federgrüße Sari von Federmaedchens Federwelt

  3. Jenny Wäldchen

    20. Februar 2018 at 9:23 am

    Das hast du schön geschrieben, Anna. Momentan habe ich auch die Handbremse gezogen. Und es tut gut. Nicht nur mir, sondern auch meinen Kindern. Mein Handy ist den ganzen Tag auf lautlos und ich schaue nur dann auf Facebook und Co, wenn ich Lust darauf habe. Man muss nicht immer erreichbar sein.
    Seit geraumer Zeit stehe ich morgens früher auf, damit ich vor der Arbeit noch ein paar Seiten lesen kann. Es tut mir unheimlich gut. Ich bin dadurch den ganzen Tag total entspannt.

    Liebe Grüße
    Jenny

  4. Nicci Trallafitti

    20. Februar 2018 at 9:37 am

    Liebe Anna,
    es freut mich, dass du die Notbremse gezogen hast, auch wenn die Umstände natürlich nicht erfreulich sind bzw. waren.
    Manchmal ist so etwas einfach bitter nötig und oftmals kann man dadurch wieder viel Motivation und Kreativität sammeln :)
    Und ich glaube das nimmt einem niemand übel.
    Selbst wenn die Zahlen sinken, Abonnenten, die täglich Leistung fordern, kann ich nicht gebrauchen :-D Mir geht es weiterhin um den Spaß, das war zum Glück noch nie anders, um die Interaktionen und auch um den Content.

    Ich hoffe, dass du etwas Kraft schöpfen konntest. Nach Regen kommt Sonnenschein, auch wenn der Spruch etwas abgedroschen ist, irgendwie stimmt er ja doch.

    <3

  5. Wiebi

    21. Februar 2018 at 6:41 am

    Guten Morgen!

    Ich denke, du sprichst vielen mit diesem Post aus der Seele. Denn auch wenn wir das eigentlich alles nur aus Spaß machen, die Zahlen sind da. Sie sitzen einem im Nacken. Ob man es zugeben möchte oder nicht.
    Aber wie eben jemand zu dir sagte: Du hast eine tolle Community! Ich freue mich beispielsweise jedes Mal, wenn du ein Bild postest. Die strotzen so richtig vor Kreativität!

    Ich freue mich also jetzt schon über jedes Bild, jeden Post und alles weitere, das in Zukunft von dir kommt!

    Liebste Grüße,
    Wiebi

  6. Aleshanee

    24. März 2018 at 8:18 am

    Guten Morgen!

    Irgendwie schon schade, dass wir alle oder zumindest viele, sich in diesen Druck reinziehen lassen, aber ich muss gestehen, dass es mir ähnlich ging. Auch ich bin schon länger dabei die Bremse zu ziehen, mache das allerdings schön langsam und gemächlich. So von jetzt auf gleich kann ich das nicht umsetzen aber ich merke, dass ich mir immer mehr Zeit nehme und nicht mehr immer und überall “präsent” sein muss.
    Eigentlich wissen wir ja alle, das wir das nicht “müssen”, aber das dann auch umzusetzen scheint für viele schwer zu sein.
    Vielleicht rüttelt dein Post ja bei einigen auf – ein toller Beitrag, den ich gerne in meiner Stöberrunde geteilt hab ;)

    Liebste Grüße, Aleshanee

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