Akutelles Rezension

Rezension | Nevernight: Die Prüfung – Jay Kristoff

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Nevernight | Die Prüfung | Band 1 | Jay Kristoff |
704 Seiten | Fischer Tor Verlag | erschienen am 24. August 2017
 Ebook: 16,99 €, Print: 22,99 €, Hörbuch: 16,95 € | Ansehen? Bei Amazon, beim Verlag

*Rezensionsexemplar

Wenn Dunkelheit jede Faser deines Seins bestimmt und die Stimme des Hörbuchsprechers eine Gänsehaut verursacht, dann kann es sich nur um Nevernight handeln. Ja, ich habe Band 1 letztes Jahr gelesen und dann aber irgendwie vergessen, eine Rezension zu schreiben, weil ich das, was ich gelesen habe, absolut nicht in Worte fassen kann und es ein reines Gestammel und Geblöke gewesen wäre. Diese Chance habe ich dieses Jahr genutzt und das Ganze noch ein Mal als Hörbuch gehört. Ich ergänze die Rezension also nur um eine Fassung.

» Der Inhalt «

Sie ist keine Heldin. Sie ist eine Frau, die Helden fürchten.

»Nevernight« ist der erste Roman einer neuen bildgewaltigen und epischen Fantasy-Serie von »New York Times«-Bestseller-Autor Jay Kristoff.

In einer Welt mit drei Sonnen,
in einer Stadt, gebaut auf dem Grab eines toten Gottes,
sinnt eine junge Frau, die mit den Schatten sprechen kann, auf Rache.

Mia Corvere kennt nur ein Ziel: Rache. Als sie noch ein kleines Mädchen war, haben einige mächtige Männer des Reiches – Francesco Duomo, Justicus Remus, Julius Scaeva – ihren Vater als Verräter an der Itreyanischen Republik hinrichten und ihre Mutter einkerkern lassen. Mia selbst entkam den Häschern nur knapp und wurde unter fremdem Namen vom alten Mercurio großgezogen, einem Antiquitätenhändler. Mercurio ist jedoch kein gewöhnlicher Bürger der Republik, er bildet Attentäter für einen Assassinenorden aus, die »Rote Kirche«. Und Mia ist auch kein gewöhnliches Kind, sie ist eine Dunkelinn: Seit der Nacht, in der ihre Familie zerstört wurde, wird sie von einer Katze begleitet, die in ihrem Schatten lebt und sich von ihren Ängsten nährt. Mercurio bringt Mia vieles bei, doch um ihre Ausbildung abzuschließen, muss sie sich auf den Weg zur geheimen Enklave der »Roten Kirche« machen, wo sie eine gefährliche Prüfung erwartet …
Nach dem zusammen mit Amie Kaufman verfassten Science-Fiction-Roman »Illuminae« ist »Nevernight« der neueste Geniestreich von Jay Kristoff: für die Leser von Anthony Ryan, Patrick Rothfuss und Sarah J. Maas.

Quelle: Fischer Tor

» Das Fazit «

Und wieder ein Mal stehe ich vor dem gleichen Problem wie letztes Jahr: Wie beschreibe ich ein Buch, das mir so unfassbar gut gefallen hat? Dessen Protagonistin, trotz Antiheldin, einen großen Teil meines Herzens erobern konnte und mit ihrer rauen, blutigen Art es geschafft hat, sich diesen Platz zu erkämpfen?
Und was bitte ist das für ein Ende…
In Nevernight geht es um Mia, eine taffe und unfassbar coole, aber auch schonungslose junge Frau (Mädchen scheint mir nicht das richtige Wort zu sein), deren Familie durch die hohen Ämter des Landes getötet wurde. Sie hat nur ein Ziel: Rache. Doch wie, wenn man noch so jung und vor allem so allein war? Sie findet ein kleines Stück Geborgenheit bei Mercurio, der ihr den Weg zum Orden der Assassinen ebnet. Er ist es, der die Grundsteine legt und dabei so fürsorglich wie streng vorgeht. Allein dieser Nebencharakter ist mit so viel Tiefe und Facetten gezeichnet, dass ich trotz der 700 Seiten das Gefühl hatte, allein bei ihm nur an der Oberfläche gekratzt zu haben. Doch genauso wie Mia: Fragt man nicht nach, man gehorcht.
Wer jetzt denkt, es ginge nur um die Reise zum Orden, weit gefehlt. Es passiert so viel mehr und wir lernen so viele verschiedene Menschen kennen, dass man als Leser auch an so mancher Stelle an den “Freunden” zweifelt und beginnt zu verstehen, wieso blindes Vertrauen auch einen Dolchstoß bedeuten kann.
Nicht alles ist immer so wie es scheint und allein auf dem Weg zum Orden passieren so viele Dinge gleichzeitig, dass einem kaum Zeit zum Durchatmen bleibt. Hier lernen wir auch zum erst Mal Tric kennen. Wer er ist und was er sonst so für eine Rolle spielt, sei an dieser Stelle nicht verraten, ich habe ihn aber wirklich ins Herz geschlossen mit seiner Art, die Welt zu sehen und wie er Dialoge mit Menschen führt. Es gelingt ihm scheinbar spielerisch, die Menschen um den Finger zu wickeln. Auch Herrn Freundlich, mein heimlicher Favorit neben Mia, taucht zum ersten Mal so wirklich auf und wisst ihr, ich liebe seine sarkastische Art die Dinge zu betrachten. Gleichwohl verkörpert er den “rationalen” Teil, so bringt er doch in brenzligen Situationen wirklich gute Tipps und vor allem hilfreiche Aktionen, die einem die Zeit geben, sich den Schweiß von der Stirn zu wischen.
Gerade im Verlauf der Handlung wird es noch so manche Figur geben, die ich als umwerfend und absolut anziehend beschreiben würde. Generell hatte ich vor allem beim Hören des Hörbuches eine seltsame Verbundenheit zu Spinnentod, einer der “Lehrer”. Aber da merkt man schon, ich kann nicht sagen, ob Mann oder Frau, weil es in diesem Hinblick im Buch fast egal erscheint (ok, außer die Männer sind ein Mal halbnackt unterwegs, dann ist das gar nicht egal; ebenso wie Frau sein an so mancher Stelle nicht verlehrt sein kann). Und das ist mir hier wirklich positiv aufgefallen. In so manchen Büchern kann man klar gendern und sagen: Das ist typisch Mann und das typisch Frau. Diese Möglichkeit gibt es hier nicht, alles ist fließend und jede Figur hat Nuancen, die genau dieses Gendern unmöglich machen. Gerade deshalb war mir Mia wohl auch so sympathisch, das taffe Mädel, umbraust von Gefühlen und einer Art, die mich sagen lässt: Ihr möchte ich nicht im Dunkeln begegnen. Auf der anderen Seite schaue ich total zu ihr auf, denn genau diese Mischung aus Gefühlen, Temperament und Ehrgefühl ist es, die zeigen, dass sie ein Rückrat hat und immer, fast immer, hinter dem steht, was sie tut. Auch wenn das bedeutet, dass ein Mord in Aussicht steht.
Der Schreibstil ist wohl das, was man als nächstes erwähnen sollte. Der Autor ist schonungslos ehrlich, düster sarkastisch und reich an Informationen. Ich vergleiche das immer ganz gerne mit Bartimäus, wer die Reihe kennt, wird wissen, worauf er sich einlässt, denn es gibt Fußnoten, die neben reichlich Informationen (die es übrigens im Hörbuch in der Form nicht gibt), auch wahnsinnig geniale Sprüche beinhalten. Generell findet man auf fast jeder Seite ein Zitat, bei dem man sagen würde: Das muss ich markieren, da steckt so viel Wahres drin. Zwar hätte man die Fußnoten nicht zwingend gebraucht, erleichtern sie aber massiv das Verständnis und führen den Leser wie Herr Freundlich durch die Geschichte. Dazu muss ich dennoch sagen, dass mich gerade der Anfang des Buches zum Stirnrunzeln gebracht hat, da hier ein Stil verwendet wird, den ich so auch noch nicht erlebt hatte. Lasst euch davon also nicht ablenken, ebenso wie man sich an das Lesen mit Fußnoten ziemlich schnell gewöhnt.
Woran sich so mancher vielleicht auch gewöhnen muss (Ich habe mein erstes Mal schon hinter mir), sind die Flüche und vor allem sehr genauen Beschreibungen von Toten und aber auch anderen Aktivitäten. Gerade das machte diese ganze Geschichte unheimlich authentisch und zu etwas Besonderem. Trotzdem saß ich so manches Mal im Zug und habe mir ein Grinsen beim Hören verkneifen müssen, oder einfach nur gebetet, dass die Lautstärke so niedrig ist, dass das jetzt hoffentlich  niemand gehört hat. Wenn ihr das Buch lest, achtet auf Dreckssack, ich liebe diesen Gaul (anders kann ich es leider nicht ausdrücken – Dreckssack? Ich liebe dich.).
Und um einen Abschluss zu finden: Wer mit dem Lesen ein Problem hat, sollte es vielleicht ein Mal mit dem Hörbuch versuchen, denn obwohl ich den Inhalt schon kannte, war es das reinste Vergnügen. Dem Sprecher ist es trotz all der Figuren gelungen, jedem einzelnen seine eigen Stimme und Stimmenlage zu geben. Ich wusste jedes Mal sofort, wer sprach und gerade das hat dem Ganzen so viel Vergnügen bereitet.
Gerade diese Stimme zum Vorlesen, die Art, das Ganze zu vertonen hat mich wirklich nachhaltig beeindruckt. Ich denke, ich werde auch Band 2 wieder als Hörbuch hören.
Abschließend möchte ich nur sagen, dass mich ein Buch selten so dauerhaft beeindruckt hat wie Nevernight und vor allem Mia es getan hat. Es gab Stellen, an denen stand mir wirklich der Mund offen. Ich habe mitgefiebert, gelacht und gebetet. Ich war mittendrin und hoffte für meine Lieblinge, es starben ja doch so… einige, und habe gehofft, dass andere starben (klingt das sehr blutrünstig).
Eine klare Empfehlung für jeden, der sich in andere Gefilde vorwagen will, der der Ehrlichkeit eine Chance geben möchte und sich auf diese Art einlassen kann. Dieses Buch ist nichts für Helden, es beschönigt nichts und es erzählt wirklich… wirklich die Wahrheit. Wer so etwas nicht lesen möchte, sollte von Nevernight die Finger lassen, gerade was die Fußnoten angeht. So manches Mal kann es wirklich ein wenig ekelig werden.

©

Foto: Eigene, Shutterstock: GeoArt
Cover: Fischer Tor
Sterne: Photoshop//Anna Hein

2 Kommentare

  1. Wochenrückblick #4 | Von Lesestatistiken und Uni-Lernstress - Fuchsias Weltenecho

    10. Juni 2018 at 11:47 am

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  2. Meine alte/neue Liebe zu Hörbüchern - Fuchsias Weltenecho

    12. Juni 2018 at 2:10 pm

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