Rezension

Rezension | Flawed: Wie perfekt willst du sein? – Cecelia Ahern

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Flawed | Wie perfekt willst du sein? | Band 1 | Cecelia Ahern |
480 Seiten | Fischer FJB | erschienen am 29. September 2016
 Print: 18,99€, Ebook: 14,99 € | Ansehen? Bei Amazon, beim Verlag

Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wieso dieses Buch so lange auf dem SuB gelegen hat. Vermutlich, weil es damals in aller Munde war und ich zu hohe Erwartungen an das Buch gehabt hätte und ich mir den Spaß an dem Buch nicht habe nehmen wollen.
Leider war ich besonders vom Anfang enttäuscht und jetzt, da ich Band 2 als Hörbuch höre, weiß ich auch wieso. Aber Durchhalten lohnt sich.

» Der Inhalt «

Wenn Perfektion dein Leben bestimmt.

›Flawed – Wie perfekt willst du sein?‹ ist der erste atemberaubende Band des neuen Zweiteilers von Bestsellerautorin Cecelia Ahern. Spannend und emotional erzählt sie in dieser Dystopie die Geschichte der 17-jährigen Celestine, die darum kämpft, etwas anderes sein zu dürfen als perfekt.

Celestines Leben scheint perfekt: Sie ist schön, bei allen beliebt und hat einen unglaublich süßen Freund.
Doch dann handelt sie in einem entscheidenden Moment aus dem Bauch heraus. Und bricht damit alle Regeln. Sie könnte im Gefängnis landen oder gebrandmarkt werden – verurteilt als Fehlerhafte.
Denn Fehler sind in ihrer Welt nicht erlaubt. Nichts geht über die Perfektion. Auch nicht die Menschlichkeit. Jetzt muss sie kämpfen – um ihre eigene Zukunft und um ihre große Liebe.
Quelle: Fischer FJB

» Das Fazit «
Als ich dieses Buch damals in den Händen hielt und den Klappentext las, war ich so angefixt, dass ich es unbedingt lesen wollte. Dann kam der Hype um dieses Buch und Celestine auf und ich verlor das Buch irgendwie aus den Augen. Nun, zwei Jahre später, war es also soweit. Ich wagte den Schritt und las/hörte dieses Buch, doch leider muss ich sagen, dass ich von diesem Teil echt enttäuscht war.
Versteht mich bitte nicht falsch, die Idee der perfekten Menschen mit dem perfekten Verhalten in einer Welt, in der man sich nur fehlerlos verhalten muss, ist eine beklemmende, wenn auch nicht abwegige Vorstellung. In dieser Welt werden Menschen, denen Fehler unterlaufen, gebrandmarkt und als Fehlerhafte bezeichnet, die in der Gesellschaft herabgesetzt werden. Kommt uns das nicht irgendwie bekannt vor?
Durchaus. Ist es gar nicht so weit von unserer heutigen Gesellschaft entfernt und gerade diese gesellschaftliche Kritik und der Wandel, der dieses Buch vollzieht, haben mich letzten Endes durchhalten lassen.
Der Einstieg fiel mir jedoch schwer. Ich wurde bis zum ersten Drittel des Buches nicht wirklich warm mit Celestine. Zu oft betonte sie die ganze Zeit über, wie perfekt sie sei und das sie ja nichts falsches getan hätte, denn bei diesem Klappentext wissen wir alle worauf es hinaus läuft. Doch selbst als Leser ist mir klar geworden, dass sie aus Sicht dieser Gesellschaft falsch gehandelt hat, denn die Regel besagt, man darf keinem Fehlerhaften helfen, wenn man selbst nicht fehlerhaft ist und trotzdem versucht sich Celestine selber immer wieder genau das Gegenteil einzureden. Klar, macht dies irgendwo Sinn, auf der anderen Seite frage ich mich jedoch, wenn sie immer wieder sagt wie perfekt sie ist, wieso handelt sie dann in einem genau solchen Moment gegen die Regeln der Gesellschaft, wenn sie das doch ganz offensichtlich in diesem Moment nicht das tut, was von ihrer erwartet wird?
Das fand ich ein wenig nervig, denn war einem als Leser doch recht schnell klar, dass dies keineswegs “rechtens” war. Ebenso fand ich ihr weiteres Verhalten ein wenig fragwürdig, denn als man ihr versucht zu helfen und sie aus dieser brenzligen Lage zu befreien, denkt sie sich die ganze Zeit: Wieso soll ich das jetzt tun? Dann lüge ich ja, wie soll mir das helfen?
Während ich als Leser beim wiederholten Male dieser Worte die Augen verdrehen musste: Lag es doch eindeutig auf der Hand wieso man ihr helfen wollte, nur sie scheint es irgendwie nicht zu verstehen.
Was mich auch ein wenig verwundert hat ist, dass sie eine glühende Anhängerin dieses System ist und trotz allem schwindet ihr Glauben daran recht schnell. Auch gibt es einige Lücken im System, die sich mir nicht ganz erschließen, während Verbrecher bestraft werden und zurück kehren dürfen in die Gesellschaft, bleiben Fehlerhafte auf ewig Ausgestoßene. Doch wenn man hört für was jemand gebrandmarkt und als Fehlerhafter eingestuft wird, fragt man sich als Leser schon, welche moralisch falsche Entscheidung hier scherer gewichtet werden sollte, nur um ein Mal ein Beispiel zu nennen.
Ab diesem Momenten habe ich wirklich gehofft, dass Celestine nicht weiterhin das Dummerchen spielen soll, machte sie doch auf mich zu Beginn des Buches einen ganz anderen Eindruck. Vor allem aber wollte ich unbedingt wissen wie es weiter ging, denn dann machte vor allem Celestine eine 180 Grad Wendung, die mich in diesem Moment überraschte und gleichzeitig erfreute. Denn sobald DER Punkt in der Handlung kam, in dem es KLICK machte, wurde auch Celestine zu einer Protagonistin, die alles andere als das Mädchen zu Beginn der Handlung war. Nicht dümmlich und nicht weinerlich, sondern taff und doch verletzlich und genau das war für mich der ausschlaggebende Punkt, wieso ich unbedingt weiter lesen und hören musste. Denn je weiter die Handlung voran schritt, desto spannender wurde es und desto mehr Geheimnisse deckte der Leser mit Celestine zusammen auf. Man wurde ein Teil von ihr, der kleine rebellische Teil in mir, wurde zu einem Teil von ihr. Ich begann zu verstehen wieso der Anfang so war wie er war, auch wenn er mir absolut gar nicht gefallen hat.
Ich konnte Dinge aus diesem Buch mitnehmen, derer ich mir gar nicht bewusst war. Perfektion liegt nicht in der Perfektion selber, sondern in dem was wir tun und wie wir es tun. Mitgefühl ist das Stichwort. Mitgefühl und für andere einstehen und dies heißt auch, selber Fehler in einer fehlerlosen Welt zu machen, denn erst dann erkennt so mancher, wie unperfekt die Perfekten wirklich sind. Ab dem ersten Drittel nahm die Handlung für mich an Fahrt auf, wurde spannender und direkter, wodurch dem Leser kaum Verschnaufspausen blieben. Trotz allem hatte ich als Leser immer wieder das Gefühl, dass die Handlung nicht zu schnell verlief, sondern sogar noch an Tiefe gewann. Die Figuren wurden präziser und ich verstand welche Rolle sie einnahmen, nur um dann weitere Dinge herauszufinden, die alles wieder in Frage stellten. Wem konnte man jetzt noch trauen?Ab diesem letzten zwei Drittel hat die Handlung für mich wirklich gewonnen.
Ich denke, dass mir der Anfang nicht so richtig gefallen hat, hängt damit zusammen, dass man zu Beginn recht wenig über das System, die Lebensweise und Gegebenheiten erfährt, sondern mehr über die Protagonistin selber. Dagegen wirken leider auch die anderen, später noch wirklich wichtig werdenden, Personen etwas blass und unscheinbar, was sich jedoch auch auf das perfekte Leben beziehen lässt, wie jetzt im Nachhinein allerdings erst klar wird. Dies fand ich in diesem Fall jedoch etwas schade. Denn auch bei ihnen fand ich den Wandel von Anhängern zum System zu “Gegnern” ein wenig schwer nachzuvollziehen und recht einfach. Würde man wirklich von heute auf morgen seinen ganzen Glauben über Bord werfen? Bei Celestine lassen sich dahingehend einige Anätze, vor allem zu Beginn der Handlung, erkennen, die diesen Wandel ansatzweise erklären können, dennoch fehlt mir auch hier irgendwie die Tiefe der Geschichte. Das System ist so umfassend, dass die Figuren im ersten Drittel etwas unscheinbar und oberflächlich angekratzt wirken. Erst im folgenden Band geht es wirklich in die Tiefe der Personen.
Wäre der Schwerpunkt auf dem gesamten Paket gewesen, hätte ich als Leser vielleicht das gesamte Denken und Handeln von Celestine besser verstehen können, denn so waren mir vor allem ihre Mutter und ihre Schwester von Anfang an sympathischer als sie selber. Die wiederum konnte ich voll und ganz in ihrem Handeln verstehen, während ich bei Celestine wirklich ein wenig gebraucht habe.
Aber auch dies wiederum ist lediglich mein Empfinden und nachdem ich bis zu der Kammer und Celestines Wendung durchgehalten hatte, packte mich die Handlung und vor allem das Thema komplett. Ich fieberte mit, ich lachte und weinte, doch jetzt, da ich Band 2 begonnen habe, kann ich nur sagen, dass Band 1 damit leider so gar nicht mithalten kann und ich trotz allem froh bin, wirklich durchgehalten zu haben, denn es lohnt sich wirklich.
Wäre der Anfang nur etwas flüssiger gewesen, hätte es auch mich vollends abgeholt, so jedoch gehe ich mit dem zweiten Teil Perfect nach Hause und kann Band 1 leider nur 3 von 5 Sternen geben, wobei es dennoch ein Highlight in diesem Jahr wird, da ich gerade die Message im ersten und zweiten Teil so unfassbar wichtig finde und mich die Story insgesamt von sich überzeugt hat.
Fazit.
Letzten Endes bekommt Band 1 gute 3 Sterne von mir,  denn gerade der Anfang hat es mir nicht leicht gemacht. Da mich aber das Gesamtkonzept und vor allem die letzten zwei Drittel von sich überzeugt haben und ich unbedingt wissen wollte wie es weiter geht, kann ich diese Punktzahl mit gutem Gewissen vergeben. Besonders Band 2 hat es in sich und ich muss mich mal selber loben: Gut, dass ich durchgehalten habe. Es lohnt sich letzten Endes wirklich.
Gerade aus diesem Grund freue ich mich wirklich, direkt im Anschluss mit Band 2 weiter gemacht zu haben. Ansonsten hätte ich womöglich irgendwo zwischen Anfang und Ende wieder aufgehört.


©
Foto: Fuchsias Weltenecho
Cover: Fischer FJB
Sterne: Photoshop//Fuchsias  Weltenecho

1 Kommentar

  1. Ramona

    23. März 2018 at 2:22 pm

    Liebe Anna,

    mir ging es da wie dir: Erst wollte ich das Buch unbedingt lesen. Es sprach mich total an. Aber dann kam der Hype und ich habe es aus den Augen verloren.
    Interessant zu hören, dass es dir auch so ging.
    Nun habe ich das Buch dank dir wieder auf dem Schirm.
    Danke, für deine ehrliche Rezension.

    Liebe Grüße
    Ramona

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