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Mit Photoshop wirst du doch eh bevorzugt

gefällt das.

Wisst ihr, ich habe es schon auf Instagram angesprochen und ich weiß, dass manche die Augen verdrehen werden, aber: Photoshop oder Bearbeitungsapps sorgen weder für einen Vorteil noch für gute Fotos.

Deal with it. Ich habe letztes Jahr einen Kommentar gelesen, der sagte: “Blogger, die Photoshop nutzen sind doch eh im Vorteil bei Challenges und wenn es um Verlagskooperationen geht” und das ist bei mir irgendwie nachhaltig hängengeblieben. Nicht zwingend, weil ich selbst mit Photoshop arbeite, sondern weil ich denke, dass das eine “Unterstellung” ist, die sich wohl einige denken werden.

Jeder kann Bearbeitung lernen

Genauso wie die Technik der Fotografie und der Kamera ist Photoshop ein Programm wie jedes andere auch. Man muss sich damit auseinander setzen, lernen und üben üben üben. Mir treten solche Kommentare immer auf die Füße. Ich hatte niemanden, der mir in jungen Jahren gezeigt hat wie das mit Gimp, Apps und nachher Photoshop so richtig funktioniert. Mir hat niemand mit irgendwelchen Effekten geholfen oder gesagt: So nutzt du den Illustrator von Adobe (was ich bis heute nicht kann). Mir hat niemand etwas mit der Legalität von Fotos erklärt, das musste ich mir alles selber beibringen.

Genauso wie mit der Kamera muss man sich auch mit dem Programm beschäftigen. Das beste Programm und die beste Kamera nutzen nichts, wenn man sie nicht bedienen kann oder die eigentliche Technik nicht voll ausnutzt. Bearbeitung ist immer eine Frage des Durchhaltens, des Lernen wollens und vielleicht auch ein wenig Talent. Den Blick für Fotos und Fotografie kann man halt nicht vollends lernen. Die Affinität muss man wohl irgendwie mitbringen. Genauso wie eine Kamera ist die Technik nur so gut wie seine Bedienung. Ich habe meine Anfänge auf dem PC, die ich euch aufgrund mangelnder Legalität nicht zeigen kann, aber glaubt mir, auch ich habe klein angefangen. Kein Meister fällt einfach so vom Himmel.

Es ist also kein Hexenwerk, denn jeder hat die Möglichkeit, sich mit Bearbeitung zu beschäftigen. Es gibt auch wirklich gute kostenlose Programme wie Gimp, mit denen ich auch angefangen habe oder Affinity Photo mit einmaliger Zahlung als Ersatz zu Photoshop. Möglichkeiten hat also jeder, genauso wie sich jeder mit den Möglichkeiten der Apps beschäftigen muss.

Nicht das Programm macht das Foto, sondern nur du selbst

Nachdem jeder von uns mehr oder weniger die gleichen Voraussetzungen hat, sich mit einem Programm zu beschäftigen, gibt es neben der Geduld und dem Durchhaltevermögen auch noch das kleine Wort Kreativität und Leidenschaft. Ich denke, am besten lässt sich das am folgenden Beispiel verdeutlichen. Es gibt Leser, die lesen mit Bildern im Kopf, da lebt das Buch den Film vor dem geistigen Auge und es gibt Leser, die sagen: Ne, habe ich eher weniger, ich sehe maximal die Figuren oder Orte, wenn überhaupt.
Meine Geschichte lebt immer. Erzählt mir jemand von seinem Buch und seinen Geschichten, habe ich direkt Bilder und Ideen im Kopf. Bei mir kommt das ganz automatisch und dann brauche ich das Know How am PC. Wer sagt: Photoshop macht ja das Bild, der übersieht manchmal, dass viel Arbeit und Vorstellung zunächst im Kopf stattfindet, dass der erste Entwurf meist nicht am PC, sondern im Kopf ist und am PC wiederum ganz anders aussehen kann. Manchmal merkt man erst dann, dass nicht alles so umsetzbar ist wie man sich das vorstellt.

Genauso wie eben auch nicht die Kamera das Foto macht, sondern der Mensch. Man kann die beste Kamera besitzen, aber nicht das Wissen oder den Blick haben und schon kann man die volle Bandbreite der Kamera nicht nutzen.

Damit will ich nicht sagen, dass manche besser sind als andere, sondern einfach, dass es Menschen gibt, die wahnsinnig kreativ sind, was Fotos angeht und andere super wortgewandt sind, zum Beispiel.

Das ist normal und keineswegs schlimm. Dafür könnte ich zum Beispiel nie ein Buch schreiben, weil ich diese Wortgewandtheit besitze oder Journalistin, weil mir das nicht liegt oder Erzieherin werden. Jeder hat seine Stärken und Schwächen und ich wage zu behaupten, dass auch ich den Blick für Buchfotos erst lernen musste und andere für mich eine große Stütze dargestellt haben. Meine ersten Fotos bestanden stumpf aus meinen Beinen und dem Buch und das in einem so schlechten Licht, dass ich euch das unten erst zeigen möchte. Auf Instagram findet ihr meine ersten Buchfotos… nun, die waren keineswegs so wie sie heute waren. Also kann man auch so etwas lernen. Ebenso wie ich denke, dass ein jeder von uns Bilder zu Büchern im Kopf hat und es meist nur an der Weiterentwicklung mangelt.

Viel lesen kann man nicht und viel erkennen auch nicht und Weintrauben für die gesunde Ernährung.


Wir selbst sind die Grenzen unser Möglichkeiten und unserer Kreativität. Manchmal muss man auch einfach nur um Ecken denken, sich inspirieren lassen und ausprobieren.

Aber du hast doch einen Vorteil mit Photoshop

Wieso sollten bearbeitete Fotos ranghöher sein als Fotos ohne Photoshop? Es gibt so viele unfassbar wordgewandte und kreative Menschen, Blogger, Autoren und Leser, die nicht mit Photoshop arbeiten. Die zum Beispiel aus Büchern ihre Bilder nachstellen, die sich selbst anmalen, die ihre Bücher wunderschön mit tollem Licht und einer klassen Ausstattung in Szene setzen und wisst ihr, es gibt auch Menschen wie mich, die manchmal ihre Fotos auch nur mit der Handykamera machen, einen Filter drüber basteln und super zufrieden damit sind.

Ich glaube nicht, dass Photoshop den Vorteil ausmacht, auch wenn schöne Fotos natürlich irgendwo immer ein Kriterium sind. Aber, wie oben gesagt, nur Photoshop Skills haben machen noch kein gutes Foto aus.
Es gibt so viele Blogger, die einem das Gegenteil beweisen, die ohne Photoshop überzeugen und eine absolut tolle Leistung verbloggen und fotografieren, von der ich nur träumen kann.
Es gibt so viele Blogger, auf die ich, positiv gesagt, neidisch bin, weil ich deren Bildkomposition einfach toll finde oder mich deren Stil zu schreiben und Dinge zu vermitteln einfach überzeugt.

Ich glaube, Photoshop ist eine Nische, aber kein Vorteil in der Hinsicht. Achtung, jetzt kommt wieder das Übliche: Man sollte sich selbst finden. Wenn ihr Lust auf einen weißen Hintergrund habt, dann nutzt einen weißen Hintergrund, wenn ihr bearbeiten wollt, dann bearbeitet und wenn ihr zeichnen wollt, oder mit Orangenschalen lustige Muster legen wollt, ja dann tut es. Man kann nur durch ausprobieren und neue Wege beschreiten besser werden. Auch ich habe klein angefangen und würde niemals behaupten, dass ein Meister an mir verloren gegangen ist. Es gibt noch so viele Dinge, die ich lernen und ausprobieren möchte. Es gibt so viele andere Photoshopmenschen, die das 300x besser beherrschen als ich und von denen ich noch viel lernen kann.
Ich habe halt nur etwas gefunden, das mir Spaß macht und glaubt mir, wenn ich sage, dass für Verlage weitaus mehr zählt, als hübsche Photoshop-Fotos.
Eine Kooperation hängt ja nicht nur mit Fotos zusammen, sondern auch mit so viel mehr.
Wie präsentiert man die Bücher, wie viel liest man, wie ist der eigene Schreibstil, wie kritisch ist man, wie sieht der Blog aus, wie regelmäßig postet man etc. PP.
Achja und wollen wir das Glück mal nicht vergessen. Glück zählt auch dazu.

Photoshop bedeutet nicht besser oder kreativer, sondern einfach nur: Anders

Genauso wie ich Fotos ohne Photoshop genauso toll und kreativ finde wie Fotos mit Photoshop.
Es ist halt eine andere Art der Kreativität, eine andere Art des Ausdrucks dessen, was mir im Kopf herum spukt.
Photoshop bedeutet doch nicht, besser zu sein als andere oder kreativer, sondern einfach nur: seine Kreativität anders auszuleben, seine Nische , sich selbst gefunden zu haben und bei mir ist es zum Beispiel Photoshop.

Ich habe mit Photoshop mein Ventil gefunden, meine Kreativität auszuleben und habe Spaß an dem, was ich tue, so wie jeder andere vermutlich Spaß an dem hat, was er macht (zumindest sollte es so sein).

Ich habe nicht mit Photoshop angefangen, weil mir Klicks wichtig sind

Auch immer wieder gern gelesen und da kann ich auch wieder nur den Kopf schütteln. Ich habe damals mit Photoshop angefangen, da kannte ich die ganzen Buchgruppen und Bookstagram oder Photoshopgruppen etc noch gar nicht. Ich habe auf einer Pferdeseite meine Leidenschaft zur Bearbeitung entdeckt, darüber auch andere Designer kennengelernt, die heute in einer Druckerei arbeiten und festgestellt: Das möchte ich auch machen. Ich habe mich also weiter damit beschäftigt, bin auf andere Pferdeseiten gestoßen, aber in einem 300x500px Maß arbeitet es sich am Ende irgendwie doch sehr einseitig. Irgendwann 2012 habe ich dann meine Facebookseite erstellt, weil ich meine Leidenschaft mit der Fotografie und Bearbeitung irgendwo teilen und eine Übersicht haben wollte, wie sehr ich mich verbessert habe. Erst 2017 kam dann Bookstagram dazu und meine ersten Gehversuche bestanden nicht aus Photoshop. Ich habe nur irgendwann gemerkt, dass ich diese Leidenschaft mit dem Lesen wunderbar verknüpfen und mit euch anderen teilen kann. Ich bin nun mal ein äußerst visueller/auditiver Mensch (nicht umsonst lerne ich, indem ich mit mir selber rede und alles aufschreibe :D). Und mit dieser Kreativität möchte ich irgendwo hin.
Würde es mir auf Dauer nur um Likes gehen, wäre ich wohl enttäuscht und irgendwann auch frustriert und das möchte ich nicht. Ich möchte nicht den Spaß an den Bearbeitungen verlieren, den Spaß an Aktionen und kreativen Dingen.

Na klar konnte ich meine Leidenschaft zum Beruf machen und mit dem Geld verdienen, was ich wirklich super gerne mache. Aber eben nur als Nebenerwerb. So kann ich immer noch selbst entscheiden was ich annehme und was nicht, ob ich auf bestimmte Aufträge Lust habe, oder nicht, einfach weil mein Hauptberuf woanders liegt und ich mir auch nicht vorstellen könnte, in Vollzeit selbstständig zu sein. Ich denke dann würde sich meine Einstellung irgendwie ändern, weil ich meinen Lebensunterhalt damit bestreite und zum Anderen würde vielleicht auch der Spaß verloren gehen und der ist mir persönlich wichtig. Wenn ich keinen Spaß daran habe, kann die Frustrationsgrenze sehr schnell erreicht sein.

Für mich ist dies ein Teil meiner Leidenschaft und meiner Kreativität, so wie andere eben Zeichnen, bearbeite ich Fotos und fotografiere super gerne, probiere Neues aus und manchmal geht es eben auch nach hinten los.


Denn wisst ihr, wenn jemand so etwas sagt, tritt man damit Menschen, die sich das alles wie ich selbst beigebracht, die Stunden am PC verbracht haben, um dieses Wissen jetzt zu haben, gewaltig auf die Füße.
Selbst wenn man es studiert hat, braucht man ein Fünkchen an Kreativität und Übung in Sachen Fotografie, Ausleuchtung und Fotokomposition.
Nur Photoshop macht kein gutes Foto aus und ich denke meine Anfänge sind das beste Beispiel dafür. Ebenso dafür, was Übung und am Ball bleiben ausmachen kann.
Es ist immer sehr einfach zu sagen: “Die haben einen Vorteil”, manchmal sollte man vielleicht auch einfach hinter die Fassade gucken und überlegen wie viel Arbeit, Mühe, Zeit und Geld und Tränen in so manchem Bild oder Cover steckt.

Transparenz:
Eigene Fotos, Verwendung von Shutterstock Material

7 Kommentare

  1. Kira

    3. Januar 2019 at 9:21 pm

    Toll geschrieben, Anna.
    Ich bin schlichtweg zu Faul für Gimp oder Fotoshop und lebe meine Kreativität einfach anders aus, bewundere aber gerne Leute und Bilder die es draufhaben.
    Meiner Meinung nach hat man bei Verlagen, Autoren und anderen Bloggern eher einen Vorteil , wenn man zuverlässig, höflich und authentisch ist. Der Mensch macht es doch aus , nicht sein Equipment oder sein Bearbeitungsprogramm.

    Ich liebe deine Bilder und deine kreative Ader und du kannst wirklich stolz auf dein können sein.

    1. AnnaFuchsia

      6. Januar 2019 at 10:23 pm

      Hallo Kira,
      genau das kann ich so unterschreiben, gerade Zuverlässigkeit und Authentizität spielen eine wahnsinnig große Rolle!

      Und vielen Dank ♥

  2. Ivy

    4. Januar 2019 at 1:57 pm

    Liebe Anna,
    ein wirklich toller Beitrag, dem ich nur zustimmen kann. Ich finde es schade, dass solche Äußerungen in letzter Zeit wohl immer häufiger getätigt werden, die – wie ich glaube – ohnehin nur aus Neid getroffen werden. Ich frage mich, ob die Leute irgendwann davon weg kommen?
    Davon mal ganz abgesehen, liegt „Schönheit“ – wie man so schön sagt – ja ohnehin im Auge des Betrachters. Ein Foto, dass für den einen super genial ist, ist für einen anderen eventuell super hässlich, daher sollte man solche pauschalisierten Aussagen ohnehin nicht treffen. Ich für meinen Teil finde es toll, was manche Leute mit Photoshop alles zustande bekommen. Ich habe selbst mal sehr häufig damit gearbeitet – wie du, bin ich damals in Foren dazu gekommen und habe angefangen, Fanarts etc. zu basteln. Eine Weile hatte ich viel Spaß daran, irgendwann habe ich aber das Interesse daran verloren und manchmal – wenn ich ehrlich bin – gefallen mir persönlich die Fotos, die zu sehr mit Photoshop bearbeitet sind auch einfach nicht. Ich bin eher der altmodische Typ, ich mag es, wenn ein Foto eben einfach nur ein Foto ist, was allerdings nicht heißt, dass ich die Leute nicht für Ihre Kreativität und ihr Können bewundere und manchmal sogar beneide, denn auch wenn mir nicht alle Fotos gefallen, finde ich einige – davon auch sehr viele deiner Fotos – einfach nur absolut genial und ich wünschte, ich hätte auch ein Händchen dafür bzw. einfach noch die Lust dazu, mich an meinen PC zu setzen und mit Photoshop zu arbeiten. Auf meinem neuen PC ist das Programm ohnehin nicht mehr vorhanden …
    Ich finde es super, dass du das Thema ansprichst. Dieser ganze Neid, das Gehate etc. pp. geht mir einfach nur noch auf den Nerv und zwar so richtig.
    Ganz liebe Grüße
    Ivy

  3. Seele's Welt

    9. Januar 2019 at 7:36 am

    Guten Morgen Anna,

    wie Recht du mit diesem Beitrag hast! Hinter guter Bildbearbeitung steckt ja vor allem viel Übung. Und auch die Fotos gut zu schießen ist ein Stück weit Übung. Natürlich benötigt man auch irgendwo eine Art Veranlagung, aber es fällt keinem in den Schoß.
    Das Programm ist nur das Werkzeug, um die eigenen Ideen und Gedanken umzusetzen. Wenn du keine Ideen und auch keine Übung hast, egal mit welchem Programm, dann ist es klar, dass da nichts bei rum kommt. Ich empfehle jedem, der mehr können möchte in diesen Bereichen: üben üben üben üben! Man wird besser. Mit jedem kleinen Schritt lernt man was dazu.

    Liebe Grüße
    Denise

  4. Dinge, die mich am bloggen stören - Fuchsias Weltenecho

    12. Januar 2019 at 5:15 pm

    […] Bestes Beispiel ist hier wohl auch: Mit Photoshop wirst du doch eh bevorzugt und wir anderen haben gar keine Chance. […]

  5. klebefolie

    21. Januar 2019 at 6:45 pm

    Ich bin erst vor ein paar Tagen auf diese Website gestoßen. Sie gefällt mir sehr gut und bietet wertvolle Infos. Vielen Dank dafür.

    Lg Mona

  6. 5 Dinge, die mich beschäftigt haben | #2 - Fuchsias Weltenecho

    2. Februar 2019 at 7:56 pm

    […] Leute, die den Stil anderer Leute kritisieren. Ich sag nur: Mit Photoshop wirst du doch eh bevorzugt. Hätte ich nach Kritik gefragt, wäre das ja absolut kein Problem gewesen, aber dieses schlecht […]

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