Blogtour Kolumne

Kurzgeschichten – Wieso wir die kleinen Dinge manchmal nicht so schätzen

gefällt das.

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Ich bin Skeptiker. Gerade was Kurzgeschichten angeht. Man möchte auf wenigen Seiten viel erzählen, für großartige Beschreibungen von Figuren und Umgebung bleibt gar keine Zeit. Man wirft den Leser einfach in diese Kurzgeschichte hinein und hofft, dass er schwimmen lernt.

So ging es mir immer mit Kurzgeschichten und ja, ich war bis vor Kurzem kein begeisterter Kurzgeschichten Leser. Tendierte ich doch eher dazu, ganze Bücher zu lesen. Einfach so in eine Geschichte ohne Kontext geworfen werden, die vielleicht auch noch ein paar Infos zu einem anderen Buch liefert, das ich nicht gelesen hatte? Konnte das gut gehen?
Doch manchmal kommen Dinge ganz unverhofft.
Und nachdem ich “Treulose Seelen” (übrigens für umsonst zu erhalten) gelesen habe, sehe ich durchaus viele positive Punkte, wenn es um Kurzgeschichten geht, die ich euch jetzt und hier einmal nennen möchte.


An dieser Stelle möchte ich vor allem auf die Kurzgeschichte von Jürgen Schaaf eingehen, die mich neben so manch anderer Story wirklich fesseln konnte und wohl ein Paradebeispiel dafür ist, wieso man manchmal wirklich zu Kurzgeschichten greifen sollte.

In der Kürze liegt die Würze

Kurzgeschichten leben davon, den Inhalt auf das Wesentliche zu komprimieren. Kann ein Vorteil sein, aber auch ein Nachteil. Manchmal möchte ein Autor zu viel in zu kurzer Zeit erzählen, Figuren kommen nicht rüber und Handlungsstränge gehen verloren. Es wird möglicherweise Vieles nur angerissen.

Doch genau hier kann auch ein Vorteil liegen. Gerade weil Dinge nur angerissen werden, Figuren noch immer ihre geheimnisvollen Seiten haben und Informationen komprimiert werden, können Kurzgeschichten auch dadurch total neugierig auf die Thematik machen.
Jürgen Schaafs Geschichte erzählt zum Beispiel einen Nebenstrang der Handlung von Band 2 “Der alte Magier” und kann wirklich ohne Vorwissen gelesen werden. Zwar wird man als Leser in die Geschichte geworfen und kennt die Figuren nicht, aber ganz ehrlich? Gerade das hat es so spannend gemacht. Es wurden Themen angerissen von denen ich augenblicklich mehr wissen wollte.
Der Autor hat es hier geschafft seine Figuren so zu zeichnen, dass man in der Kurzgeschichte genügend Informationen zum Verstehen hatte, aber auf der anderen Seite nur so spärliche Informationen lieferte, dass man als Leser wissen wollte, wie alles zusammenhängt. Man wird in diesem Fall vor allem für den Fantasy Roman angeteasert und kann sich gut vorstellen, dass hier nur an der Oberfläche gekratzt wurde.

Und ist einem Leser eine Kurzgeschichte nicht ganz gelegen, kann man sie einfach überblättern, man verpasst ja an sich nichts.

Interessant fand ich an dieser Stelle vor allem, dass der Autor selber gezögert hat, diese Kurzgeschichte überhaupt zu schreiben. Jürgen Schaaf liest selber gerne lange und mehrbändige Geschichten, doch sah er eine Herausforderung darin und die Möglichkeit, vielleicht noch den einen oder anderen Leser für seine Geschichte zu gewinnen.

Unbekannte Autoren kennen lernen

Und genau hierin sehe ich einen großen Vorteil. Kurzgeschichten sind, wie Jürgen Schaaf so schön sagte: kleine “Appetithäppchen. Leser bekommen kleine Kostproben angeboten – und wenn Inhalt und Erzählstil überzeugen, dann ist womöglich der Appetit auf andere Werke dieses Autors/dieser Autorin geweckt.”
Und dem kann ich mich nur anschließen. Man liest oft viel von Autoren, die man vorher schon wahrgenommen hat, oder findet bei Amazon und in der Buchhandlung eher die Bücher von großen Verlagen und etablierten Autoren. Dabei gibt es so viele Geheimtipps, außerhalb dieser Szene, die man so zum Teil gar nicht wahrnimmt. Angefangen bei den Kleinverlagen, die man nun nicht überall in den Buchhandlungen findet. Gerade für solche Entdeckungen eignen sich in meinen Augen Kurzgeschichten wirklich gut, denn so bin auch auch auf Jürgen Schaaf aufmerksam geworden.
Als dann im Verrat Magier vorkamen, die der alten Sorte, nicht der der kitschigen und modernen, hatte ich den Köder geschluckt. Denn gerade die Figuren waren nur oberflächlich angerissen worden und ich hatte das Gefühl, dass weitere Informationen da waren, die erzählt werden wollten.

Vor allem aber hat mich die Art zu schreiben begeistert. Jürgen Schaaf hält sich nicht mit endlosen Beschreibungen auf, sondern beschreibt nur so viel wie nötig ist, um zu verstehen wo man sich gerade befindet und wie Dinge aussehen. Gerade dies finde ich immer besonders wichtig, so nimmt man dem Leser seine eigene Vorstellung von Dingen nicht. Außerdem fand ich vor allem das Ende unerwartet. Ich hatte ja mit Verrat gerechnet, aber mit so einer Wendung? Genau das hatte mich dann angefixt, unbedingt den ersten Teil “Der alte Magier” lesen zu wollen.

An dieser Stelle zitiere ich Jürgen Schaaf selber, der seinen High-Fantasy Roman wie folgt vorstellt: “Es ist eine Geschichte, die sich nicht auf Superhelden mit Superkräften abstützt. Der Protagonist ist ein in die Jahre gekommener Magier, der zwar einen hohen Rang bekleidet, aber in seinen magischen Fähigkeiten eher eingeschränkt ist. Es passieren plötzlich Dinge, die darauf schließen lassen, dass mittelfristig eine massive Bedrohung der Menschheit bevorsteht. Der Magier versucht, mit allen Mitteln diese Gefahr abzuwenden. Dabei benötigt er Hilfe. Vier Jugendliche schließen sich ihm an und versuchen, den alten Magier in seiner Mission zu unterstützen. Sie geraten nicht selten in Lebensgefahr und müssen ihre Ängste und Zweifel überwinden. Sie werden quasi zu Helden wider Willen. Die Geschichte handelt auch von Freundschaft, Mut, Treue, aber auch von Liebe und Enttäuschung. Und selbstverständlich spielen auch magische Wesen (wie z.B. Drachen) bedeutende Rollen.”

Ich finde, das klingt nach einer gesunden Mischung an “Klischee” und etwas ganz Neuem. Gerade der in die Jahre gekommene Magier reizt mich total, gerade nach dieser Kurzgeschichte.

Was es mit der Schatulle auf sich hat, erfahrt ihr in der Kurzgeschichte.

Vielfalt an Ideen

Kurzgeschichten bieten die Möglichkeit, in wenig Zeit, viele verschiedene Geschichten und Autoren kennen zu lernen.
So ist Jürgen Schaafs Geschichte zum Beispiel in sich abgeschlossen, während so manch andere Handlung offen bleibt und der Leser damit das Gefühl hat, dass hier unter die Oberfläche mehr auf ihn wartet.

Andere Autoren dieser Anthologie haben das Oberthema Verrat wiederum ganz anders umgesetzt, wir begegnen ganz anderen Figuren, mit ganz anderen Idealen und Zielen. So ist in dieser Sammlung gewiss für jeden etwas dabei und ich fand nicht eine Geschichte langweilig oder langatmig. Klar, haben mir manche Geschichten mehr zugesagt als andere, nicht jede Art zu Schreiben liegt mir und manchmal hatte auch ich das Gefühl, eine Kreuzung zu früh abgebogen zu sein und damit wichtige Informationen verpasst zu haben, aber anderen Lesern gefällt vielleicht genau das.

Denn Kurzgeschichten und vor allem ihre Sammlung, leben von “[der] Vielfalt der Ideen und [den] Erzählstile[n]”, wie Jürgen Schaaf es so schön ausdrückte, wodurch so definitiv für jeder Mann/jede Frau etwas dabei ist.

Gerade durch die Kurzgeschichten kann man ein Gefühl für die Art des Autoren/der Autorin gewinnen. Bei der Kurzgeschichte von Jürgen Schaaf hatte ich den Eindruck, ohne ihn als Autoren oder Mensch wirklich zu kennen, dass ein Stück seiner eigenen Erfahrungen auch in dieser Geschichte steckt. Situationen werden von den Gefühlen her wirklich realistisch und nah am Leser beschrieben. Ich hatte direkt den Eindruck, neben den Figuren zu stehen, das Gleiche zu sehen, das Gleiche zu fühlen. Spürte die Zweifel und auch die gerunzelte Stirn, die Erkenntnis, als der Verrat begangen wurde und alles, was dazu gehört.
All das in einer Kurzgeschichte.
Der Autor sagt dazu selber, dass er bestimmte Situationen schon selber so erlebt hat und “wenn sich ähnliche Szenen in [seiner] Geschichte abspielen, dann kann [er] nicht aus [seiner] Haut und muss sie gebührend beschreiben.”
Gerade das, finde ich, hat man zum Teil allein in dieser Kurzgeschichte gemerkt. Wer kennt es nicht, wenn Freunde auf einmal zu Fremden werden? Und viel mehr möchte ich nicht anteasern, ansonsten gerate ich noch in den Spoilerbereich (:D).

Das Gefühl, etwas geschafft zu haben

Einer der wohl wichtigsten Punkte für mich: Ich habe das Gefühl durch das Buch zu kommen. Ich habe in letzter Zeit wenig bis gar nichts gelesen und vor der Wunderraum Aktion wirklich nur provisorisch mal ein oder zwei Buchseiten gelesen. Für das Gewissen.
Als es dann um diese Kurzgeschichten Sammlung ging, hatte ich das Gefühl, Geschichten wieder gelesen zu haben, das Gefühl etwas geschafft zu haben und nicht zu stagnieren.

Ich denke, gerade wenn man in einer solchen Flaute steckte wie ich und man nicht zu Büchern mit 400 Seiten greifen will, kann eine solche Sammlung dafür sorgen, dass man wieder den Spaß am Lesen findet – vorausgesetzt, man kann sich auf diese Art des Stils einlassen.
Denn so konnte ich mir selber sagen: Hey, auf dem Weg zur Uni hast du 4 Geschichten gelesen.
Und gerade durch das Anreißen der Geschichten habe ich jetzt den einen oder anderen Autoren/andere Autorin auf dem Schirm, von dem/der ich jetzt unbedingt mehr lesen möchte.

 

Ihr seht, ich habe inzwischen eine gewisse Art der Zuneigung zu diesen Geschichten entwickelt. Sie werden Bücher niemals ersetzen, aber sind sie doch eine schöne Ergänzung zu ihnen. Vor allem weil man so die Chance hat, wirklich jemand Neuen für sich zu entdecken. Seinen Stil zu erleben, ohne direkt das ganze Buch kaufen zu müssen, um dann festzustellen, dass einem die Geschichte vielleicht nicht zusagt.
Ich denke, ich werde jetzt wirklich öfter mal ganz bewusst Kurzgeschichten in die Hand nehmen und lesen.


Band 2 von “Der alte Magier” ist übrigens fast fertig und Band 1 möchte der Autor selber noch einmal überarbeiten.

Irgendwie ist man selbst sein größter Kritiker und findet immer wieder Verbesserungspotential. Eigentlich wird man nie fertig.” – Jürgen Schaaf


 

Werbekennzeichnung: Bei dieser Aktion handelt es sich um eine Art Blogtour, bei der die Autoren und damit auch die Geschichten zugeteilt wurden. Die Umsetzung enthielt die Vorgabe, die Geschichte des jeweiligen Autoren/der jeweiligen Autorin darzustellen. Meine Meinung ist allerdings komplett meine eigene und frei von Einflüssen.
© Cover obliegt dem Copyright des Herausgebers, die Fotos kommen von mir (Anna Hein/Fuchsias Weltenecho).

1 Kommentar

  1. Nicci Trallafitti

    3. Juni 2018 at 10:26 am

    Ich so: Cool, das “kaufe” ich.
    Amazon so: Haste schon, am 18.3.
    :-D

    Liebe Anna,
    Ich finde es richtig toll, wenn Kurzgeschichten neugierig auf mehr machen.
    Wie du schon sagst teasern sie oft ganz gut an.
    “Appetithäppchen” finde ich dabei sehr passend. :)
    Und ich kann dir zustimmen, Kurzgeschichten geben einem das Gefühl etwas geschafft zu haben, vor allem wenn man gerade ein wenig leseunlustig ist.

    Ein toller Beitrag!

    Liebe Grüße,
    Nicci

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