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Doors – Markus Heitz: Welche Tür wirst du wählen?

gefällt das.

Enthält Werbung für Doors

Wisst ihr, es gibt diese Bücher, diese Genres, um die macht man meistens einen ziemlich großen Bogen. Es ist nicht das Genre, der Autor sagt einem nicht zu und der Klappentext beschert Gänsehaut.
Ich gehöre wohl nicht zwingend zu der Zielgruppe von Doors, denn das Genre aus Fiktion und Mystery/Krimi/Thriller ist eigentlich so gar nicht mein Ding. Ich mein, schaut mich an, ich gucke ja nicht ein Mal Krimis alleine, ohne danach überall das Licht anzulassen. Und dann kam Markus Heitz und Droemer Knaur mit Doors daher und ganz ehrlich? Nach all den Spielbüchern hatte ich richtig Lust, in eine solche Geschichte ein Mal einzutauchen. Die Pilotfolge gibt es als Ebook gratis, die anderen drei Geschichten könnt ihr frei wählen.
Die Idee dahinter ist eigentlich: Der Leser entscheidet nach der Pilotfolge durch welche Tür das Team, auf der Suche nach einer Vermissten, gehen soll und auf welche Reise ihr euch begebt. Diese Geschichten laufen quasi parallel ab, wenn auch nicht parallel im Sinne von zwei Handlungssträngen, sondern eher im Sinne von zeitlich parallel.

Lasst euch also von Benni von Listen und mir mitnehmen auf eine Reise durch Doors. (Spoilerfrei natürlich).

 

Ich schaue mich zusammen mit Benni

in der Ankunftshalle des Frankfurter Flughafens suchend um. Scharen von Menschen drängen sich durch das Gebäude, das ungewöhnlich voll ist um diese späte Uhrzeit. Menschen, die geschäftlich durch die Gegend eilen, das Handy am Ohr und die Tasche über der Schulter. Ein Geschäftsmann, der genervt einer Familie ausweicht und weitereilt. Alles Menschen mit einem Ziel.
„Ganz schön viel los für einen Dienstag“, murmle ich Benni zu und lasse dabei meinen Blick über die Menschenmassen schweifen, die kein Ende zu nehmen scheint.
„War ja klar, sobald wir jemanden suchen, ist es voll.“, erwidert Benni und versucht den Chauffeur von Herr von Dam ausfindig zu machen, der eigentlich nur darauf warten sollte, uns einzusammeln. Warum der Professor uns beide sehen wollte, wissen wir bisher nicht, nur, dass wir auf einen Trupp anderer Menschen stoßen werden.
Ledigliche eine knappe und sehr geheimnissvolle Begründung haben wir bekommen: Ich würde als Grafikdesignerin wichtige Details erkennen und Benni könnte mit seinen kreativen Fähigkeiten selbst die unmöglichsten Situationen lösen. Das – und eine gehörige Summe, die bereits zu Teilen im Voraus bezahlt wurde – überzeugte wohl uns beide den Weg nach Frankfurt auf sich zu nehmen. Ansonsten schaffte das nur die Frankfurter Buchmesse.
„Da steht doch ein merkwürdiges Grüppchen… die gehören bestimmt zu uns.“, sage ich und deute auf einen älteren Herren im Anzug, der wirklich jedes Klischee eines Chauffeurs erfüllt und einer Gruppe von sechs Personen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der Eine trägt einen viel zu alten Anzug, der nicht in diese Zeitpassen wollte, die Andere sieht aus wie jemand, mit der ich wohl nur über Schminke und blondiertes Haar fachsimpeln konnte (just in diesem Moment wirft sie auch noch ihre blonde Mähne über die Schulter) und der andere Mann ist anscheinend ab der Pubertät nur noch in die Höhe geschossen und hat die Muskeln dabei wohl vergessen. Außerdem gibt es da noch eine junge Frau, die so stark wirkt, dass jeder sich vor ihr in Acht nehmen sollte ja, ich möchte keinen rechten Haken von ihr kassieren) und einen Typen, der sich dringend Klamotten in der richtigen Größe kaufen sollte. Der letzte Mann im Bunde ist großgewachsen und hat eine sportliche Figur. Benni zieht die Augenbrauen nach oben und schaut mich an, ich zucke nur mit den Schultern, denn mehr kann ich dazu wirklich nicht sagen außer, dass mir ein ziemlich unpassender Spruch über die Lippen kommen würde. Das ist wohl die bunteste und skurrilste Gruppe, die ich bisher gesehen habe.
„Das kann ja was werden“, sagt Benni schließlich und zieht mich am Arm zur Gruppe. Ob es hier eine Fluchtmöglichkeit gibt? Unauffällig drehe ich mich um. Dann fällt es mir allerdings wieder ein: Ein Teil der Summe wurde bereits bezahlt, es gibt wohl oder übel kein Zurück mehr…
„Du sagst es. Immerhin haben wir uns“, raune ich ihm zu und mache mich auf die wohl komischste Reise meines Lebens gefasst. Aber hätte ich nicht Abenteuerluft gerochen, hätte ich mich wohl niemals auf diesen Auftrag eingelassen.

Kurze Zeit später

stehen acht Personen voller Unwissenheit vor einer alten Villa, die heruntergekommener nicht sein könnte.
„Und ihr macht was im Internet? Bloggen? Seid ihr solche Influencer, die Shakes verkaufen und ständig Werbung für fünfzig verschiedene Teesorten machen?“ fragt Spanger Anna und Benni, die beide die Augen rollen und nur zu einem Seufzen fähig sind. Die wohl typischste und klischeehafteste Aussagen von Jemanden, der so absolut keine Ahnung von dem hatte, was er da wissen wollte.
„Nein, sind wir nicht. Wir bloggen. Über Bücher. Diese altmodischen Dinger mit Seiten zum Ümblättern.“, Anna schürzt die Lippen wie um zu signalisieren, dass diese Fragerei hier definitiv zu Ende ist. Doch selbst auf der Fahr zu van Dams Villa schein Spanger den Hinweis nicht im Geringsten wahrgenommen zu haben. Immer wieder versucht er aus Anna und Benni Informationen zu kitzeln, die diese mit einem Schulterzucken und kurzen einsilbigen Antworten quittieren. Selbst als der alte Herr ihnen eröffnet, dass seine Tochter auf mysteriöse Weise verschwunden ist, hat Spanger nichts anderes im Kopf als Fragen über das zu stellen, was er anscheinend nicht wirklich versteht.
„Meinst du nicht, wir haben wichtigeres zu tun als übers Bloggen zu sprechen – von Dams‘ Tochter zu retten zum Beispiel?“, fragt Benni genervt.
„Ja, ja, schon gut, sei mal nicht gleich wieder so schnippisch, Benni… immer diese Influencer. Halten sich anscheinend direkt für etwas Besseres mit ihrer Reichweite…“ Spanger schnalzt mit der Zunge und wendet sich von den beiden ab. So richtig zufrieden scheint er mit dieser Antwort wohl nicht zu sein. Die Gruppe öffnet die Tür zum Haus und wird vom Chauffeur in den Keller geführt, wo eine weutere Tür ins absolute nichts führt – lediglich ein Seil führt in den Abgrund. Dana, die Freeclimberin im Bunde, zeigt ihnen, wie sie das Geschirr umlegen, um mit dem Seil in die Höhle zu gelangen. Dort angekommen steht die Gruppe kurze Zeit später vor fünf Türen – auf dreien sind Fragezeichen geschmiert, auf einer ein Kreuz und auf der anderen ein Ausrufezeichen.
„Welche Tür sollen wir nehmen?“ fragt der Gruppenführer Professor Friedemann, der selbst wohl eher zur Tür mit dem einen Fragezeichen tendiert – warum auch immer.
„Wir müssen einfach die Tür mit dem Kreuz nehmen, mein Pendel schlägt gerade dort heftig aus“, flüstert Coco, die Hellseherin, und greift sich besorgniserregend an den Hals. Seit wir in der Höhle sind, scheint sie immer stiller zu werden und mit sich selbst zu sprechen.
„Benni, wir müssen einfach die Tür mit dem X nehmen. Coco ist unheimlich, aber ich habe das Gefühl, sie kann wirklich irgendwas fühlen“, flüstert Anna und runzelt die Stirn.
„Süße, das ist Quatsch. Coco fühlt gar nichts… na gut, vielleicht liegt das auch am Botox, aber was diese Türen angeht, ist sie genauso ahnungslos wie wir.“ Benni stemmt die Hände in die Hüften und runzelt die Stirn.
„Außerdem finde ich es merkwürdig, dass gleich drei Türen ein Fragezeichen haben. So als ob man genau dieses Zeichen besonders betonen wollte. Vielleicht nehmen wir lieber diese Tür.“ Er schaut Anna fragend an, die schwer ausatmet und mit den Schultern zuckt.
„Ich weiß es nicht… welche Tür nehmen wir nur?“

Vielleicht, ganz vielleicht,

würde es aber auch sinnvoller sein sich aufzuteilen, dachte Anna. Beginnen so nicht immer die schlimmsten Szenarien in Horrorfilmen?
Einer schlägt vor, dass man sich aufteilen solle und alle sterben?
HUCH, hat sie jetzt schon gespoilert wie diese Geschichte möglicherweise ausgehen könnte? Nachdenklich betrachtet Anna die Türen. Drei mit ?, eine mit ! und eine andere ist mit X markiert. Welche der Türen sollen sie nehmen? Gab es Hinweise, die sie vielleicht gerade nur übersehen? Das Pendel der Hellseherin scheint ja ganz eindeutig zu wissen wo sich die Vermisste befindet, aber ob man ihr glauben kann?
Anna möchte ihr glauben. Übernatürliches fand sie seit ihrer Kindheit faszinierend und doch gibt es da diese kleine Stimme der Rationalität im Hinterkopf.
Während alle schweigend die Türen betrachen, werfen die Bengalfackeln unheimliche Schatten an die Wand, was würde sie wohl hinter diesen Türen erwarten?
Der Tod? Oder gab es vielleicht noch etwas Schlimmeres?

©
Fotos: Fuchsias Weltenecho
Cover: Droemer Knaur

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